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Nebeltage

Ermüdeter Wind - schlafender Nebel - wartende Schwaden.
Die Augen suchen - überreizt vom Reizlosen,
die Ohren lauschen - voller Laute vom Nichts.
Schemen die verwischen - wechseln - locken.

Tastende Schritte - mal hierhin, mal haltend,
verwechsel ich die Richtung - vertausche die Wege.
Mühsam atme ich - verhalten, verstört, angestrengt.
Wünsche den Anfang herbei - dort nach dem Ende.

Kämpfe, strecke mich, erkunde, hoffe, haste - 
den Schemen entgegen, ihnen nach, von ihnen fort.
Mich mühend und treibend erreiche ich das Ende,
und suche den Anfang - vergebens.

 

 

 

 



 

 

Küstenliebe

 

Brausender Wind - die Vögel kreischen.

Kleine Schaumkronen auf dem zappeligen Wasser.

Ihre Blicke gehen den Abgrund hinunter,

sehen das Wasser,

tief unten.

Die Steine. Den Strand.

 

Ich liebe Dich, sagt sie und nimmt seine Hand.

Fest der Griff, besitzen, halten, lieben wollend.

Ihre Augen treffen sich, versenken sich, verstehen sich.

Ihre Lippen berühren sich, lieben sich, spüren sich.

Ihre Gedanken hängen zusammen. Hängend ineinander.

Tief der Augenblick. Glücklich die Seele.

Erfüllt die Herzen mit nie enden sollendem. Verbotenem. 

Sie lacht laut, glückerfüllt, dreht sich im Kreis.

Sie winkt dem Schiff weit draußen. Sie winkt den Vögeln.

Sie winkt der Welt.

Sie winkt ihm.

Sie ruft ein lautes Jaaaa!

Sie dreht sich, lacht, glänzend die Augen - und springt!

Lang hört er ihren Ruf im Ohr. 

Er lächelt.

Jetzt liebt sie für immer.

Und er?

 

 

 

 

 

 

Feuerring

 

Es kommt, das Feuer! Er ist da, der Ring!

Das Feuer, es tanzt wieder.

In ihm kreisend, einengend und beengend.

Ängstigend und verschließend.

Brennender Schmerz, lähmende Gedanken.

Dunkle Gedanken, Gefolgschaft des Ringes, erfüllen ihn.

Umgeben alles, was gut ist in ihm.

Versiegeln alles, was schön ist in ihm.

 

Er sieht es in sich, fühlt es, lebt es.

Der Ring, gefüllt mit Feuer, in roten, lodernden Flammen.

Tobende Gesichter voller Häme, Hass, Bösem.

Dämonen die ihn umfangen, die ihn heimsuchen.

Immer wieder gnadenlos in ihm wühlen.

Und er ist machtlos. Hilflos dem allem ausgeliefert.

Sich ergebend sein Ich. Aufgebend das Gute.

Brennend das Schlechte, triumphierend in seiner Macht.

 

Erinnert ihn, dass es da ist. Kommen wird. Immer wieder.

Ihn überwältigen wird. Jedesmal. Ihn verletzen wird. Jedesmal.

Nie genug zum aufgeben, immer genug zum verzweifeln.

Niemals die Kraft zum wehren in ihm. Immer die Kraft zum aushalten.

Wie lange noch? Die Verzweiflung steigt, erfüllt, ertränkt ihn.

Wie erleichternd wäre das Ende, wie herrlich die Macht über die Macht.

Wie sehr ersehnt er das lebenswerte.

Wie lange noch…

 


Abschied

 

Der gewohnte Kreis ist nicht mehr gewohnt.

Die vertrauten Gesichter wirken nicht mehr vertraut.

Das Vertrauen vertraut nicht mehr.

Die Liebe liebt nicht mehr.

Ärger, wo vorher Freude war.

Leere, wo vorher Erfüllung war.

Nichtssagendes, wo vorher gesagt worden war.

Leeres Lächeln, wo vorher echte Zuneigung war.

 

Hat er sich von Ihnen entfremdet?

Haben sie alle sich von ihm entfremdet?

Ziele, die nicht mehr gleich sind.

Wichtigkeiten, die nicht mehr übereinstimmen.

Glaubenssätze, die anders gelebt werden.

Gebete die wegbrechen, Gemensamkeiten, die sacht verschwinden.

Ein Gott, sein Gott, der anders ist, anderes will.

Gehorsam, den er erfüllt.

 

Er geht.

 

 


Erstmalig das Ende

 

Er spürte die Glätte, die Kühle, die Kraft, die Unbeirrbarkeit.

Er roch den Schotter, den Stahl.

Er sah das Zwillingsband vor sich.

Letztmalig.

Er fühlte sich.

Erstmalig.

Die Angst.

Die Unsicherheit.

Die Traurigkeit.

Das gefordert sein, überfordert sein.

Das Sein müssen. Dasein. Hiersein. Vorhandensein. Beständig sein. – Nichtsein?

Durch Dienst. Durch Zwang. Durch Liebe, geliebt sein, lieben. Durch Pflicht.

Er empfand die Strahlen des Mondes auf sich.

Hell. Scheinwerferartig.

Er fühlte die Kühle der Nacht in sich.

Er befühlte sein Sein.

Betastete es. Fühlte es an. Berührte, begriff es.

Dieses Sein. Sein Sein – gewollt ungewollt.

Er verwarf es, wies es zurück. Verbannte, negierte, verschmähte es.

Dankbarkeit in ihm.

Für das, was kam.

Für das erwartete, dass gewollte.

Für das ersehnte.

Er hörte – brausend, laut, unmenschlich, drohend, erstickend – den Lärm.

Er dachte – nichts.

Er fühlte – nichts.

Er rief – nichts. Ein lautes, unendliches Nichts.

Er sah – Wärme.

Er spürte – angenommen, geliebt, gewollt sein.

Er berührte die Unendlichkeit.

Er formte sich. Verformte sich. Masse. Materie.

Die Räder kreischten, weinten, schmerzten.

Die stälernen Wagen kamen zum stehen.

Sich verbeugend vor seinem Tod.